Die Bedeutung der regelmäßigen Darmreinigung beim Fasten
Unser Darm, mit seiner zottenreichen Auskleidung, bietet zahlreiche Versteckmöglichkeiten für Nahrungs- und Kotreste. Obwohl der Darm nach dem Einsatz von Glaubersalz oder alternativen Abführmitteln entleert ist, ist er nicht vollständig gesäubert. Während des Fastens können alte Ablagerungen gelöst werden, was zu Darmbewegungen führt, die den Magen knurren lassen und die Verdauungsorgane, insbesondere Leber und Bauchspeicheldrüse, aktivieren. Dieser Prozess löst ein Hungergefühl aus.
Regelmäßige Darmbäder können helfen, dieses Hungergefühl zu lindern oder vorzubeugen.
Nicht nur Verdauungsreste sind für Darmbewegungen verantwortlich, sondern auch die Regeneration des Darms selbst. Alte Zellen der Darmschleimhaut lösen sich, um durch neue ersetzt zu werden. Manchmal trennt sich der Darm sogar von ganzen Schleimhautteilen, die ebenfalls Darmbewegungen und Hungergefühle auslösen können. Bleiben diese Absonderungen im Darm liegen, beginnen die Darmbakterien diese eiweißreiche „Nahrung“ zu zersetzen und produzieren dabei u.a. Ammoniak, ein Gas, das auf das Gehirn dämpfend wirkt.
Da der Darm als Resorptionsorgan fungiert, nimmt er das entstehende Ammoniak ins Blut auf. Die Folgen können Kopfschmerzen, Schläfrigkeit und ein „nebliges Gefühl“ im Gehirn sein, was das Fastenerlebnis negativ beeinflussen kann.
Ein weiterer Grund ist aber auch der Entgiftungsvorgang beim Fasten. Säuren und andere Stoffe, die der Körper loswerden möchte, werden nicht nur über die Nieren und Lunge abgegeben, sondern auch über die Schleimhaut. Wird Nahrung aufgenommen, werden diese Stoffe – wie auch die abgestorbenen Schleimhautzellen – durch den Kot innerhalb von 2 Tagen nach draußen transportiert. Beim Fasten fehlt dieses Transportmittel, weswegen wir mit sanften Spülungen etwas nachhelfen sollten, damit diese ungünstigen Ausscheidungen nicht wieder vom Darm zurückresorbiert werden.
Darmbad vs. Glaubern
Es kommt vor, dass einige Fastende eine klare Abneigung gegen das Darmbad empfinden. Dieses respektiere ich selbstverständlich und suche nach passenden Alternativen. Bei stabilem Kreislauf empfehle ich in solchen Fällen eine Glaubersalz-Anwendung alle zwei bis drei Tage.
Allerdings hat das Glaubern den Nachteil, dem Körper viel Wasser zu entziehen, was besonders den Kreislauf belasten kann. Ein weiterer großer Nachteil ist der zeitliche Aufwand. Es besteht die Möglichkeit, stundenlang an das Zuhause gebunden zu sein, da die Entleerung nach dem Glaubern Zeit in Anspruch nimmt und auch nach Stunden noch unvorhersehbare Entleerungsschübe auftreten können. Der Geschmack des Glaubersalzes kann zudem Überwindung kosten.
Anleitung für das Darmbad
Du benötigst:
- 1 Irrigator (mit festem Behältnis oder Reise-Irrigator)
- 30 – 40 cm langes Darmrohr
- Öl oder Creme zum Fetten des Darmrohrs
- 2 l körperwarmes Wasser
- erhöhte Aufhänge- oder Aufstellmöglichkeit für den Wasserbehälter
- Unterlage zum Liegen, z.B. Decke mit Handtuch
- warme Hände und Füße
Die Durchführung
- bereite deine Unterlage vor und sorge dafür, dass deine Hände und Füße warm sind (z.B. Fußbad nehmen und/oder Hände warm baden)
- befestige das Darmrohr am Schlauchende des Irrigators
- kontrolliere, ob am Irrigator der Hahn geschlossen ist, fülle diesen mit körperwarmem Wasser und hänge oder stelle ihn erhöht auf
- lass das Wasser kurz laufen, um Luftblasen aus dem Schlauch zu entfernen, stoppe dann wieder die Wasserzufuhr
- fette das Darmrohr am Ende ca. 5 cm ein
- nimm die Ellenbogen-Knie-Stellung oder die Seitenlage links ein
- lass den Bauch locker, atme ruhig, führe das Darmrohr zunächst nur ein wenig in den After ein, presse leicht dagegen
- öffne die Wasserzufuhr und schiebe das Darmrohr, während das Wasser einläuft, weiter ein, so weit wie möglich
- bei eventuellen Hindernissen ziehe das Darmrohr kurz zurück und schiebe dann weiter
- lass mindestens 1,5 l Wasser einlaufen, bis zu 2 l sind möglich
- wird der Druck im Enddarm zu groß bevor die 1,5 l erreicht sind, drehe den kleinen Hahn am Schlauch zu und warte einen Moment ab, ob der Druck nachlässt. Konzentriere dich auf deinen Atem und atme ruhig. Dann drehe die Wasserzufuhr wieder auf.
- stoppe die Wasserzufuhr und ziehe das Darmrohr aus dem After
- halte das Wasser möglichst eine Weile im Darm, z.B. durch Anheben des Beckens in der Rückenlage, wechsele öfter die Positionen, um das Wasser möglichst in alle Winkel des Darms zu leiten, massiere auch den Bauch leicht
- setze dich bei zu hohem Entleerungsdruck auf die Toilette
- das Wasser kommt in mehreren Schüben wieder raus
- ruhe dich nach dem Darmbad ggf. 15-20 min aus
Weitere Alternativen zum Darmbad
Die Darmreinigung erreicht ihre höchste Effektivität durch das Darmbad sowie das Abführen mittels salinischer Mittel. Falls weder das eine noch das andere für dich in Betracht kommt, bestehen dennoch Optionen, den Darm zur eigenständigen Entleerung zu stimulieren. Alternativ kann auch die Reinigung des Rektums (dem Ende des Dickdarms) in Betracht gezogen werden, was immer noch eine verbesserte Option darstellt im Vergleich zu keiner Reinigung.
Sauerkraut-Saft
Genieße deine tägliche Ration Fastensaft in Form von Sauerkrautsaft. Dieser regt die Verdauung an, was vorübergehend zu einem Hungergefühl führen kann. Nach der daran anschließenden Darmentleerung, sollte sich das Hungergefühl jedoch wieder legen.
Vorteile:
- geschmacklich für viele angenehm
- effektive Darmreinigung bei täglicher Anwendung
- bei Verwendung von rohem Sauerkraut-Saft, wird der Darm mit probiotischen Bakterien besiedelt
Nachteile:
- wirkt nicht bei jedem zuverlässig
- Darmentleerung erfolgt zeitlich unvorhersehbar und plötzlich
Sennesblätter-Tee
In der Apotheke bekommt man diesen Tee meistens als „Abführtee“ in Kombination mit Kräutern, die sich beruhigend auf den Darm auswirken. Der Tee sollte maximal alle 2 Tage getrunken werden.
Vorteile:
- geschmacklich gut akzeptiert
- pflanzlich / natürlicher Wirkstoff
- wirkt zuverlässig
Nachteile:
- Darmentleerung erfolgt zeitlich unvorhersehbar und plötzlich
- belastet die Leber
- Gefahr der Gewöhnung und Abhängigkeit bei längerem Gebrauch
Cassia fistula (Frucht des Indischen Goldregens)
Cassia fistula, auch als Goldregen bekannt, stammt aus den Tropen. Im Inneren der Schote befindet sich eine melasseartige, klebrige Masse zusammen mit hölzernen Plättchen, die Anthrachinonglykoside enthalten und abführend wirken, ähnlich wie Sennesblätter.
Um die Schote aufzubereiten, wird empfohlen, sie über Nacht in ein feuchtes Geschirrtuch zu wickeln, um sie weicher zu machen. Anschließend trennst du etwa ein Drittel der Schote ab, öffnest sie (mit einem Nussknacker funktioniert dies gut) und entfernst entweder die harten Kerne, um die hölzernen Scheiben zu lutschen, oder kratzt die gesamte Masse inklusive Kerne heraus. Diese legst du in ein Glas Wasser, das über Nacht stehen gelassen wird. Am nächsten Morgen seihst du das Wasser ab und streichst die restliche zähe Masse durch ein Sieb, damit sie ebenfalls im Wasser landet. Das Cassia-Wasser kann dann getrunken werden.
Vorteile:
- angenehmer Geschmack
- pflanzlich / natürlicher Wirkstoff
Nachteile:
- Darmentleerung erfolgt zeitlich unvorhersehbar und plötzlich zwischen 2 und 12 Stunden
- belastet die Leber
- wird aus den Tropen importiert
- aufwändige Vorbereitung
- keine standardisierte Dosierung möglich, wirksame Dosis muss individuell herausgefunden werden
- wirkt u.U. nicht oder aber zu stark (Bauchkrämpfe möglich)
- aufgrund des Wirkstoffs ist bei längerem Gebrauch eine Gewöhnungsgefahr bzw. Abhängigkeit anzunehmen
Darmreinigung des Rektums mit dem Klyso
Der Klyso ist ein Gerät für kleinere Einläufe, bestehend aus einer Ballpumpe mit Schläuchen an beiden Enden. Ein Ende wird in ein Gefäß mit guten 500 ml lauwarmem Wasser gesteckt, das andere in den After, nachdem zunächst die Luft aus dem Schlauch gepumpt wurde.
Dieses Verfahren kann im Stehen oder sitzend auf der Toilette durchgeführt werden und ist schnell erledigt.
Es sollten die gesamten 500 ml in den Enddarm, das Rektum, gepumpt werden. Halte den Drang zur Stuhlentleerung kurz an und massiere den Bauch, um das Wasser ein wenig in den Darm zu verteilen.
Da bei dieser Methode fast nur der Enddarm erreicht wird, sollte diese Prozedur 2x täglich durchgeführt werden.
Es ist jedoch auch möglich, ein Darmrohr auf das Endstück zu stecken und somit einen deutlich größeren Teil des Darms mit dem Wasser zu erreichen. Es sollte dann auch eine größere Menge Wasser von ca. 1,5 l verwendet werden. Aufgrund des Pumpmechanismus‘ bist du nicht auf die Schwerkraft angewiesen und kannst die Anwendung sitzend auf der Toilette durchführen. Als Wasserbehältnis hat sich eine 1,5 l PET-Wasserflasche bewährt, die zwischen die Beine geklemmt oder neben die Toilette gestellt wird.
Vorteile:
- schonend
- kein Gewöhnungseffekt
- auch bei begrenztem Platzangebot, z.B. in einem Hotelzimmer durchführbar
- zeitnahe und zügige Darmentleerung
Nachteile:
- wird kein Darmrohr verwendet, erfolgt nur eine Reinigung des Rektums (besser als nichts)
- die Anwendung sitzend auf der Toilette ist möglich, aber umständlich
Falls du Fragen oder Anregungen zu diesem Beitrag hast, schreibe mir gerne.
Ich wünsche dir viel Erfolg!