Keimlinge und Sprossen selbst ziehen

Sprossen und Keimlinge sind nährstoffreiche Superfoods, die viele Vorteile für die tägliche Ernährung bieten. Es ist einfach, sie selbst in der eigenen Küche anzubauen.
Jenny

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Jenny ist unsere Fachfrau für Ernährung und Fasten und betrachtet die Welt durch eine ganzheitliche Linse. Für Jenny ist der Mensch nicht nur ein physisches Wesen, sondern ein komplexes Zusammenspiel von Körper, Geist und Umwelt. Als Ernährungsexpertin ist sie davon überzeugt, dass die Wahl dessen, was wir essen, einen erheblichen Einfluss auf unsere Gesundheit, unser Wohlbefinden und unsere Umwelt hat.

Überblick

Klein und doch ganz groß

“Wenn etwas kleiner ist als das Große, so ist es darum noch lange nicht unbedeutend.”

Lucius Annaeus Seneca, ca. 4 v. Chr – 65 n. Chr.

Keimlinge und Sprossen mögen zwar klein und unscheinbar erscheinen, aber sie sind wahre Vitalstoffbomben! Im Verhältnis zu ihrer Größe enthalten sie mehr Vitalstoffe als jedes andere Lebensmittel.
Dies ist wichtig, da ein Keimling die junge Pflanze mit Nährstoffen versorgen muss, bis ihre Wurzeln stark genug sind, um sich im Boden zu verankern und die Blätter groß genug, um Licht aufzunehmen. Daher sind Keimlinge reich an wichtigen Aminosäuren, essentiellen Fettsäuren, Mineralien, Spurenelementen, Vitaminen, Enzymen, sekundären Pflanzenstoffen und purem Leben! Und das alles nicht nur in hoher Qualität, sondern auch in großen Mengen! Dank ihrer hohen Enzymaktivität sind ihre Inhaltsstoffe für uns zu 100 % bioverfügbar.
Besonders in den Wintermonaten, wenn frisches heimisches Obst und Gemüse knapp sind, der Körper aber dennoch viele Nährstoffe benötigt, um den Anforderungen der Natur zu dieser Zeit gerecht zu werden, sind Keimlinge eine hervorragende Ergänzung. Aber auch im beginnenden Frühling, wenn die Wildkräuter noch klein sind und heimische, naturbelassene Lebensmittel noch nicht verfügbar sind, sind Keimlinge eine gute Option.

Keime, Keimlinge, Sprossen – was ist denn da der Unterschied?

Lass uns mit etwas Theorie beginnen:
Die Keime befinden sich im Inneren eines Mehlkörpers im Samen einer Pflanze. Im Keim sind die Anlagen für die Baby-Pflanze enthalten, wie zum Beispiel für die Keimblätter, Wurzeln und den Stängel. Der Keim wird vom Mehlkörper ernährt.
Keimlinge sind die ganz jungen Pflänzchen, die sich aus dem Samenkorn entwickeln. Sie umfassen Wurzeln und die späteren oberirdischen Teile der Pflanze.
Unter Sprossen versteht man genau genommen nur die oberirdischen Teile des Keimlings, also Stängel und erste Blättchen. Kresse ist zum Beispiel eine typische Art von Sprossen. Im allgemeinen Sprachgebrauch werden jedoch meistens auch Keimlinge als Sprossen bezeichnet.
Trendwörter für Sprossen sind auch “Mikrogrün” oder der entsprechende englische Begriff “Microgreens“.

Keimlinge und Sprossen sind immer frisch und lebendig

Sprossen und Keimlinge sind im Vergleich zu anderen Gemüse- und Obstsorten immer noch lebendig, wenn wir sie verzehren. Sie sind frisch und vital, was sie zu einer optimalen Nahrungsauswahl macht.
Im Gegensatz dazu beginnt der Abbau von Vitalstoffen in reifen Früchten und Gemüse direkt nach der Ernte. Die Pflanzen verbrauchen ihre Vitalstoffe, um Alterungsprozesse zu verlangsamen. Daher ist Frische ein entscheidender Faktor für eine gesunde Ernährung.
Keimlinge hingegen sind hochlebendige Nahrungsmittel. Selbst wenn sie bereits verpackt sind, befinden sie sich noch im Aufbauprozess. Eine zu lange Lagerung oder zu trockene Bedingungen können diesen Prozess stoppen oder verlangsamen, was zu einem Verlust an Vitalstoffen führt. In diesem Fall schmecken sie auch nicht mehr so gut.
Eingelegte und konservierte Sprossen (z.B. Mungobohnen- und Sojabohnensprossen) in Essig sind natürlich nicht mehr lebendig.

Es macht Spaß, der Kresse beim Wachsen zuzusehen.

Keimlinge und Sprossen von der Fensterbank

Die preisgünstigste und praktischste Option ist es, Keimlinge zu Hause selbst zu ziehen. Es macht Spaß, zu beobachten, wie aus den kleinen Körnern bald erste Wurzelansätze austreten und nach nur wenigen Tagen junge Pflänzchen zum Verzehr bereit stehen.
Frischer, preiswerter und einfacher in der Beschaffung geht es nun wirklich nicht! Auf diese Weise kannst du dir das sauberste und gesündeste Essen zubereiten.
Im Handel gibt es inzwischen viele Sorten an Keimsaaten zur Auswahl. Du kannst auch fertige Sprossenmischungen kaufen oder dir deine Samen selbst mischen. Zudem gibt es verschiedene Hilfsmittel zum Keimen, wie Sprossentürme, Sprossengläser und Kressesiebe.

Anleitung zum Sprossenziehen

Für die Sprossenzucht benötigst du theoretisch nur ein großes Sieb, eine passende Schüssel und ein Tuch zum Abdecken. Allerdings empfehle ich, früher oder später ein spezielles Sprossenzucht-System anzuschaffen, da es nicht nur komfortabler, sondern auch optisch ansprechender ist.
Persönlich nutze ich am liebsten Sprossengläser, da sie dekorativ sind und platzsparend direkt auf meiner Küchenfensterbank stehen können. Darin können die meisten Keimsaaten zum Keimen gebracht werden. Sehr schnell sprießende Sprossen von kräftigem Wuchs, wie Radieschen und Erbsen, züchte ich auch gerne in einer Schale eines Sprossenturms an. Bei diesen Sorten ernte ich zunächst die Keimlinge und in den weiteren Tagen die jungen Sprossen bzw. das Mikrogrün.
Schnellkeimende Saaten und keimfähige Getreidearten wie Weizen, Roggen, Hirse, Buchweizen und Kamut sind in Reformhäusern, Naturkostfachgeschäften, einigen Drogeriemärkten und online erhältlich. Achte dabei unbedingt auf Bio-Qualität, um die bestmöglichen Sprossen zu erhalten.

Keimlinge und Sprossen selbst ziehen

Zutaten & Equipment

  • Keimsaaten oder Getreidekörner

  • Sprossenanzucht-System oder mittelgroßes rostfreies Sieb + passende Schüssel + sauberes Tuch

  • Wasser

So geht’s

  • Weiche 1-3 Esslöffel Samen in etwas Wasser ein. Die Einweichzeit für die Saaten kannst du in der Regel der Anweisung auf der Packung entnehmen. Wenn du mehrere Sorten mischst, richtet sich die Einweichzeit nach der Sorte mit der längsten Einweichzeit.
  • Nach dieser Zeit siebst du das Einweichwasser ab und spülst die Samen mindestens 1x durch.
  • Damit die Samen nicht austrocknen, müssen sie unbedingt abgedeckt werden. Im Keimglas erübrigt sich das. Dort wird die Feuchtigkeit trotz des offenen Siebes gehalten.
  • Wenn du kein Keimglas o.ä. hast, benutze ein mittelgroßes Sieb als Keimbehälter, was du zum Abtropfen in eine Schüssel hängst und mit einem sauberen Tuch abdeckst.
  • Wichtig ist es, die Samen und späteren Keimlinge mindestens 2x täglich mit frischem Wasser durchzuspülen und das Spülwasser anschließend gut abtropfen zu lassen.
  • Nach 1-2 Tagen sind die ersten klitzekleinen Wurzelansätze zu sehen. Getreidekeimlinge können in diesem Zustand schon verzehrt werden, z.B. als Grundlage für das Frischkorn-Müsli.
  • Gemüsesprossen sollten noch 2-3 weitere Tage am Licht verbringen, damit sich in den ersten kleinen Keimblättchen gesundes Chlorophyll bilden kann. Sind die Keimblätter zu sehen, sollten die Sprossen verzehrt oder in einem Schraubglas im Kühlschrank aufbewahrt werden.
  • Vor dem Verzehr solltest du die Sprossen unbedingt noch einmal gut durchspülen.

Hinweise und Tipps

  • Kresse und andere schleimbildende Saaten (Rucola, Senf, Chia z.B.)  benötigen eine Sonderbehandlung, damit sie nicht im eigenen Schleim verfaulen.
    Diese solltest du entweder auf speziellem Vlies in einer Keimschale oder einem Kressesieb zum Keimen bringen.
    Weiche auch diese Samen in Wasser ein, jedoch nur für 15-30 min. Dann werden sie auf das Kressesieb oder Vlies gestrichen. 2 Tage sollten sie abgedeckt bleiben und höchstens etwas mit Wasser besprüht werden. Sobald sich die ersten feinen Wurzelansätze bilden, wird die Abdeckung entfernt.
    Ab jetzt werden die Keimlinge mindestens 2x täglich vorsichtig mit frischem Wasser gespült. Nach weiteren 2-4 Tagen können die oberirdischen Teile geerntet oder die Sprossen mit Wurzel aus dem Sieb gezogen werden.
  • Sollten die Samen nicht nach wenigen Tagen beginnen zu keimen, oder trotz regelmäßigem Durchspülen anfangen unangenehm zu riechen oder gar zu schimmeln, waren die Körner entweder zu alt oder wurden auf dem Weg vom Erntefeld bis zu dir auf die Fensterbank falsch gelagert oder behandelt, so dass sie ihre Keimfähigkeit verloren haben.
  • Experimentiere gerne auch mir Saaten, die nicht explizit als Sprossen- oder Keimsaat deklariert sind, wie z.B. verschiedene Linsensorten, Buchweizen, Quinoa …

Die Verwendung von Sprossen und Keimlingen

Getreidekeimlinge sind besonders geeignet für die Zubereitung vom ultra-gesunden Frischkorn-Gericht. Im Vergleich zu ungekeimtem Getreide weisen Getreidekeimlinge einen um ca. 300 % höheren Gehalt an Vitalstoffen auf und sind zudem wesentlich besser bioverfügbar.
Sowohl Keimlinge als auch Sprossen eignen sich hervorragend als Zutat oder Topping für Salate. Darüber hinaus können sie auf belegten Broten, in Dips, Suppen oder als Beilage zu Crêpes, Wraps, Sommerrollen oder Pellkartoffeln genossen werden. Deiner Kreativität sind dabei keine Grenzen gesetzt, und natürlich können sie auch pur genossen werden!
Selbst gezogene Sprossen und Keimlinge sind zweifellos die gesündeste und reinste Form von Lebensmitteln.

Sprossen machen das Sandwich knackig, frisch und vitalstoffreich!

Ich wünsche dir eine spannende Sprossenzucht und viel Spaß bei der kreativen Verwendung!


Quellen:
www.avogel.de/ernaehrung_gesundheit/ihre-ernaehrung/themenuebersicht/sprossen/

Rad der Gesundheit

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