Gründe für das Experiment – Warum ich mich auf 21 Tage Fasten eingelassen habe
Fasten. 21 Tage lang. Ohne feste Nahrung. Für die meisten Menschen klingt das nach einer ziemlich absurden Idee – eine Art Hardcore-Selbstexperiment, das man vielleicht einmal im Leben macht, wenn man gerade in einer Lebenskrise steckt.
Für mich war Fasten allerdings nichts Neues. Ich faste seit über zehn Jahren regelmäßig ein- bis zweimal im Jahr für 6 bis 10 Tage, meistens eine Woche. Und als Fastenbegleiterin und Heilpraktikerin leite ich Fastengruppen, unterstütze Einzelpersonen in ihrem Fastenprozess und begleite Menschen auch beim Langzeitfasten, die – zumeist aus gesundheitlichen Gründen – eine längere Nahrungspause einlegen möchten.
Doch eines fehlte bisher: die eigene Langzeitfasten-Erfahrung. Ich hatte bereits einige Menschen durch 14, 21 oder sogar 28 Tage Fasten geführt. Ich wusste, welche Herausforderungen und Hochgefühle kommen können, welche Symptome auftreten, wie man am besten durchhält – aber eben nur aus der Perspektive der Begleiterin, nicht der Fastenden. Ich wollte es selbst erleben.
1. Die Neugier: Was passiert im Körper nach 10 Tagen?
Beim Kurzzeitfasten ist mir der Ablauf vertraut: Der Körper stellt um, der Hunger vergeht, irgendwann setzt dieses wunderbare Gefühl von Klarheit und Leichtigkeit ein. Aber was passiert nach Tag 10? Kommt noch ein weiteres Energiehoch? Wird es immer leichter? Oder doch schwieriger? Ich wollte herausfinden, wie sich mein Körper und mein Geist auf eine längere Fastenzeit einstellen.
2. Gesundheit, Zellreparatur und Verjüngungseffekt
Mit fast 52 Jahren weiß ich: Der Körper kann ein paar Reparaturprozesse durchaus gebrauchen. Fasten soll ja genau das bewirken – Zellen reinigen, Entzündungen abbauen, verjüngen. Otto Buchinger hatte beobachtet, dass ab Tag 14 noch tiefere regenerative Mechanismen greifen. Ich wollte herausfinden, ob und wie ich das spüre.
3. Kein Abnehmen, sondern ein bewusster Selbstversuch
Im Gegensatz zu vielen, die fasten, um Gewicht zu verlieren, war das für mich nicht das Ziel. Ich habe mir vor der Fastenkur sogar extra noch ein Kilo angefuttert, um eine gute Ausgangsbasis zu haben. Auf keinen Fall ging es mir ums Schlankerwerden. Ich wollte aber sehen, ob ein Körper, der nicht ganz so viele Pölsterchen hat, dennoch viel von sich loslässt oder irgendwann anfängt, festzuhalten.
4. Der Perspektivwechsel: Die Fastenbegleiterin wird zur Fastenden
Wenn ich meine Klienten länger als 10 Tage begleitet habe, wusste ich ab einem gewissen Punkt nur noch theoretisch, was sie durchmachen – aber es ist etwas anderes, es selbst zu fühlen. Was macht die lange Fastenzeit mit der Psyche? Wann wird es schwer? Welche Strategien helfen wirklich? Wie schafft man so eine lange Kur überhaupt organisatorisch? Ich wollte nicht nur als Begleiterin, sondern auch als erfahrene Fastende aus erster Hand berichten können.
Das waren also meine Gründe – und tatsächlich war der Einstieg mit dem Wissen, dass das Thema „Essen“ die nächsten drei bis vier Wochen für mich keine Rolle spielen sollte, viel entspannter als sonst.
Die ersten Tage – Der sanfte Einstieg ins Langzeitfasten
Viele stellen sich den Start ins Fasten wie einen Überlebenskampf vor: unbezähmbarer Hunger, Schwindelattacken, schlechte Laune – quasi ein Drama in drei Akten. Und ja, das kann passieren… wenn man sich von einem Tag auf den anderen einfach alles verbietet.
Aber als professionelle Fastenbegleiterin habe ich das natürlich genau nicht gemacht. Mein Einstieg war lange geplant, und das kann ich auch jedem empfehlen, der sich auf eine längere Fastenzeit vorbereitet.
Entlastungstage – Der sanfte Einstieg ins Nichtsessen
Bevor es ernst wurde, habe ich meinem Körper einige Entlastungstage gegönnt – sozusagen das Warm-up für die Fastenzeit. Die Regeln waren einfach:
- Keine raffinierten Kohlenhydrate (esse ich sowieso kaum).
- Kein Kaffee (hatte ich seit Oktober nicht mehr angerührt – also kein Drama).
- Kein Alkohol (mag ich eh nicht, also auch kein Verzichtsschmerz).
- Keine sonstigen Suchtmittel (gab’s bei mir ohnehin nicht – langweilig, ich weiß).
- Weniger Eiweiß, dafür mehr Obst und Gemüse (um die unausweichliche Fasten-Übersäuerung in Schach zu halten).
- Nur naturbelassene Fette – also hochwertige Öle und frische Sahne (damit der Körper nicht belastet wird). Am besten kombiniert mit knackiger Rohkost, die dem Darm hilft, sich elegant von den Altlasten zu verabschieden.
- Und natürlich kein Fast Food oder Junkfood – aber das ergibt sich ja irgendwie aus den vorherigen Punkten.
Warum das alles? Ganz einfach:
- Der Körper bekommt jede Menge basenbildende Vitalstoffe, die die Fasten-Übersäuerung dämpfen.
- Der Darm kann sich langsam von seinem Inhalt verabschieden, anstatt in Schockstarre zu verfallen.
- Entzugserscheinungen (Kaffee, Zucker, etc.) treten nicht erst während des Fastens auf.
- Der Insulinspiegel bleibt stabil – und verhindert fiese Heißhungerattacken.
Da ich mir den Kaffee-Entzug diesmal ersparen konnte, waren die Entlastungstage für mich keine große Sache. Eine Ernährung mit natürlichen, unverarbeiteten Lebensmitteln ist für mich eh Alltag.
Ich weiß, dass diese Tage für viele Fastende schon eine große Herausforderung darstellen, und auch mir ging es anfangs so. Aber die Gewohnheit und Regelmäßigkeit hat aus mir vielleicht schon einen Fastenmönch gemacht.
Der große Reset: Darmentleerung als Fasten-Kickstart
Ich weiß, es ist kein Thema für Smalltalk, aber unverzichtbar: Ein leerer Darm macht den Fastenstart um Welten angenehmer. Ich habe deshalb am ersten Tag – ganz klassisch nach Otto Buchinger – mit einem Glaubersalz-Getränk nachgeholfen – ein Cocktail, der nicht unbedingt nach Wellness-Urlaub schmeckt, aber hocheffektiv ist.
Warum?
Weil der Darm, wenn er gründlich entleert ist, nicht weiter Verdauungssäfte produziert und die Peristaltik ruhiger wird – denn auf ihren Einsatz wartende Verdauungsenzyme und heftige Darmbewegungen, um „etwas loszuwerden“, können unangenehmen Hunger triggern.
Tipp: Wem Glaubersalz geschmacklich zu nah am „salzigen Albtraum“ ist, kann stattdessen auf Sennesblätter-Tee oder Darmbäder (aka Einläufe) setzen. Falls man sich für Letztere entscheidet, dann am besten zweimal im Abstand von vier Stunden – so ist der Darm wirklich ready to fast.
Fastenstart – Gelassen bleiben und warm einpacken
Dank der Vorbereitung war mein erster Fastentag am 3. Februar entspannt. Kein Magenknurren, keine Heißhungerattacken – nur dieses leichte Gefühl von Leere im Bauch, das sich fast schon angenehm anfühlte.
Trotzdem merkt der Körper natürlich, dass da etwas anders läuft. Die ersten Tage bringen einige Umstellungen mit sich:
- Der Blutzucker pendelt sich auf einem niedrigeren Niveau ein.
- Die Glykogenspeicher (also die Zuckerreserven) werden geleert.
- Der Körper beginnt, „unnütze“ Eiweiße zu recyceln – darunter Zellabfälle, Ablagerungen und sogar ein paar unerwünschte Bakterien und Parasiten.
- Der Fettabbau und die Energiegewinnung daraus nehmen langsam Fahrt auf.
Das Ganze kann sich anfangs anfühlen wie der Beginn einer Erkältung – nur ohne die Erkältung. Deshalb habe ich mir viel Entspannung gegönnt, jede Menge getrunken und von Anfang an jeden Morgen, gleich nach dem Aufstehen, lange Spaziergänge gemacht – 4 bis 6 km in knackiger Kälte – um den Kreislauf zu unterstützen.
Apropos Kälte: Diese war diesmal mein größter Sparringspartner. Ich weiß, Februar ist jetzt nicht gerade Hochsommer, aber trotzdem hatte ich nicht mit soooo einer inneren Eiszeit gerechnet.
Solange ich mich bewegt habe, war alles gut. An den ersten Tagen habe ich beim Spazierengehen sogar geschwitzt. Aber vor allem wurden meine Finger dermaßen eisig, wenn ich mit Gartenarbeit oder meinen täglichen Routinen bei den Hühnern beschäftigt war. Und das blieb so – vom ersten bis zum letzten Fastentag.
Besonders hart war dann auch das Einschlafen mit Füßen, die sich einfach nicht aufwärmen wollten – egal, was ich versucht habe.
Die „goldene Mitte“ – Energie, Klarheit und Rituale
Nach den ersten Tagen ohne Essen geschah – Überraschung – erstmal nichts Spektakuläres. Die Umstellung lief sanft und problemlos, fast so, als hätte mein Körper die neue Situation nicht nur verstanden, sondern auch direkt akzeptiert.
Drei bis vier Wochen ohne Essen? Kein Problem! Ich hatte das Gefühl – und das war diesmal anders als beim Kurzzeitfasten – als könnte ich ewig von Luft und Liebe leben. Oder, realistischer betrachtet: von Luft und Wasser.
Der Gedanke an feste Nahrung? Völlig überbewertet! Während andere über Menüs nachdachten, war meine größte Essensentscheidung nur noch: Wasser oder Tee? Fasten fühlte sich nicht mehr wie Verzicht an, sondern wie mein neuer, völlig natürlicher Normalzustand.
Dabei habe ich zwei interessante Erkenntnisse gewonnen:
1. Mehr Energie als beim Kurzzeitfasten
Beim Kurzzeitfasten (6 bis 10 Tage) war der 5. Fastentag für mich oft ein entscheidender Punkt. Die Energie kehrte zurück, doch gleichzeitig meldete sich mein Kopf mit einer Art mentalem Countdown: Noch zwei (drei/vier/…) Tage, dann ist es vorbei.
Anstatt mich völlig auf das Fasten einzulassen, schielte ich bereits auf das Ende – und schlimmer noch: Die Essensgedanken schlichen sich ein. Was esse ich in den Aufbautagen? Wäre es übertrieben, mir schon mal eine Einkaufsliste zu schreiben?
Erst jetzt wurde mir klar, dass ich durch diese vorauseilenden Gedanken nie wirklich im Fastenmodus angekommen war. Mein Körper war zwar voll dabei, aber mein Kopf war bereits in der Zukunft – und das verhinderte das vollständige Genießen der schönsten Fastentage.
Diesmal war es komplett anders. Ich wusste, dass ich noch eine ganze Strecke vor mir hatte. Keine mentale Endspurt-Stimmung, sondern ein bewusstes Ankommen im Jetzt. Dadurch konnte ich die volle Energie der Ketose viel intensiver erleben – ohne den Gedanken an den baldigen Ausstieg.
Mein Körper war nun also im perfekten Fastenzustand:
- Ketose auf Hochtouren: Mein Körper versorgte mich zuverlässig mit Energie aus den Fettreserven.
- Hungergefühl? Leistungstiefs? Fehlanzeige.
- Regeneration Deluxe: Die Autophagie lief auf vollen Touren – meine Haut erneuerte sich rasant, alte Zellen wurden morgens weggebürstet,
- Hautunreinheiten lösten sich in Luft auf. Sogar ein kleines Bläschen im Mund verabschiedete sich.
- Gedankenklarheit hoch zehn: Ich fühlte mich fokussierter, tiefenentspannt und gleichzeitig wacher als je zuvor – als hätte jemand meinen Kopf einmal durchgepustet.
- Weniger Schlaf, aber mehr Energie: Ich wachte morgens auf und war sofort hellwach. Kein „Fünf Minuten noch…“, sondern direkt auf die Beine – manchmal waren sie morgens etwas wacklig – und raus an die frische Luft. Wer hätte das bei mir als Nachteule gedacht, dass das möglich ist? Und das, obwohl mein Schlaf wahnsinnig schlecht und war.
Es macht definitiv einen Unterschied, ob man am 5. Fastentag quasi schon fertig ist oder noch mittendrin steckt. Die Geisteshaltung spielt hier eine riesige Rolle.
2. Mehr Zeit für gesunde Rituale
Ohne Mahlzeiten hatte ich plötzlich jede Menge Zeit. Das war nicht wirklich neu für mich und ist eines der größten Annehmlichkeiten in den Tagen des Nahrungsverzichts.
Kein Einkaufen (außer ganz selten), kein Kochen, kein Grübeln über die ewige Frage „Was essen wir heute?“ (diese ehrenvolle Aufgabe durfte mein Mann nun mit den Kindern übernehmen). Mein Alltag entschleunigte sich durch eine Art innere Ruhe, und ich hatte das Gefühl, noch stärker mit meinem Körper in Verbindung zu stehen. Die noch vor mir liegenden Wochen des Fastens entspannten mich. Es fühlte sich an wie Urlaub, obwohl ich mitten im Alltag war: Juchuh! Noch zwei bis drei Wochen!
Aber nein, ich fiel nicht in ein Zeitloch – die frei gewordenen Stunden füllte ich mit neuen Ritualen:
- Morgenroutine mit heißem Wasser und Heilerde – weckt den Stoffwechsel auf und schickt die „Schlacken der Nacht“ auf den Weg nach draußen.
- Lange Spaziergänge am Morgen mit bewusstem Atmen – nicht nur gut für die Lunge, sondern auch gegen das leichte Schwächegefühl nach dem Aufstehen und irgendwie auch ein kleines Bisschen Urlaubsfeeling.
- Tägliche Darmbäder nach dem Spaziergang – um losgewordenes wirklich loszuwerden.
- Wechselduschen – nichts für Warmduscher, aber ein echter Kreislauf-Booster.
- Saftfrühstück mit frisch gepresstem Gemüse-Obst-Saft – ein kleines Geschmackshighlight in einer ansonsten geschmacksneutralen Zeit.
- Leberwickel mit Nickerchen am Nachmittag – Detox und Powernap in einem.
- Gartenarbeit an schneefreien Tagen – wenn man schon so viel Energie hat, warum nicht gleich sinnvoll nutzen?
Während ich am Anfang dachte, 21 Tage Fasten könnten eine Herausforderung werden, war ich an diesem Punkt angekommen und fühlte mich besser denn je. Mein Körper war voll im Fasten-Modus, mein Geist wach und klar – und mein Alltag überraschend entschleunigt, obwohl all diese Rituale natürlich auch so ihre Zeit benötigten.
Und mal ehrlich: Ein Leben ohne die ständige Frage „Was esse ich heute?“ hat definitiv seinen Reiz!
Das Fasten fühlte sich in dieser Phase nicht mehr wie ein Experiment an, sondern wie mein ganz normaler Alltagsmodus. Kein Nachdenken über Essen, kein Verlangen, keine Ablenkung – einfach pure Ketose-Power.
Nur manchmal… ja, manchmal schlich sich heimlich, still und leise ein Bild in meinen Kopf: eine dicke Scheibe Vollkornbrot, belegt mit einer noch dickeren Schicht Weichkäse und frischer Kresse. Ein kleines kulinarisches Tagtraum-Abenteuer – harmlos, aber erstaunlich detailreich.
Doch die wirklich spannende Frage war: Wie war es, als das Ende in Sicht kam? Wurde es schwerer oder sogar noch leichter?
Die letzte Woche – Vom Tiefpunkt zum Höhenflug und die große Frage: Wann höre ich auf?
Je länger das Fasten dauerte, desto mehr stellte sich mir eine paradoxe Frage: Warum überhaupt wieder essen? Während ich bei früheren Fastenkuren spätestens nach einer Woche bereits voller Vorfreude auf den ersten Bissen hingefiebert hatte, fühlte es sich diesmal völlig anders an. Ich hatte mich ans Fasten gewöhnt, fühlte mich energiegeladen, mental glasklar – fast so, als könnte es ewig so weitergehen.
Doch genau in dieser Überzeugung hatte mein Körper in der letzten Woche offenbar beschlossen, mir ein paar Lektionen zu erteilen.
Tag 16 & 17: Wenn der Körper plötzlich eine Meinung hat
Bis zum 16. Tag lief – bis auf das ständige Frieren – alles wie geschmiert. Und dann? Zack, aus dem Nichts: Übelkeit, Schwäche – und das Schlimmste überhaupt: ein wahnsinniger Hunger.
Das war irritierend. Ich hatte weiterhin meine tägliche Darmreinigung durchgeführt, also konnte es nicht an irgendwelchen Altlasten liegen. Auch hatte ich mittlerweile 7 kg verloren – ein Gewichtsverlust, der bei meiner schlanken Statur kaum mehr zu übersehen war. Mein BMI war auf knapp 18 gesunken, und ich konnte förmlich hören, wie mein Körper mir flüsterte:
„Okay, war nett hier in der Ketose, aber ernsthaft – wann gibt’s wieder Essen?“
Ich interpretierte das als natürlichen Wegweiser Richtung Fastenende. Doch weil ich nicht so leicht klein beigebe, beschloss ich, zwei weitere Tage abzuwarten. Vielleicht war das nur ein Trick meines Körpers? Ein kleiner psychologischer Test?
Und tatsächlich: An Tag 18 drehte sich alles. Mein Darm verabschiedete sich noch einmal auf beeindruckende Weise von Dingen, die ich dort nicht mehr vermutet hätte (Details erspare ich dir – sagen wir einfach: es war beeindruckend). Und dann, als wäre ein Schalter umgelegt worden:
- Hunger? Weg.
- Übelkeit? Geschichte.
- Energielevel? Der Akku war wieder voll!
Von da an fühlte ich mich wieder großartig. Der Energieschub hielt bis zum 21. Tag an, und wenn ich nicht einen gewissen Realitätssinn bewahrt hätte, hätte ich wahrscheinlich einfach weitergefastet.
Die letzten Tage – Veränderungen in der Wahrnehmung
Während der letzten Fastentage wurde mir bewusst, dass nicht nur mein Körper, sondern auch meine Einstellung zu Essen und Alltag eine neue Dimension erreicht hatte.
Essen war nicht mehr selbstverständlich.
Nach dem intensiven Hungererlebnis an Tag 16 und 17 war mir noch bewusster geworden, wie fein der Körper signalisiert, was er braucht („Schieb mal oben was rein, damit ich unten was rausschieben kann!“) – und wann er bestens ohne Nahrung auskommt.
Mein Geschmackssinn war plötzlich pingelig.
Brühe? Konnte ich nicht mehr riechen. Tee? Unmöglich. Selbst mein gefiltertes Leitungswasser schmeckte mir plötzlich nicht mehr, sodass ich kurzerhand die Wassersorte wechseln musste.
Mein Alltag war entschleunigt.
Essen bestimmte nicht mehr den Tagesrhythmus. Keine festen Mahlzeiten bedeuteten: Ich hatte die Freiheit zu entscheiden, wann und wie ich wieder damit anfangen wollte.
Die Entscheidung: Doch kein 28-Tage-Fasten
Ich habe es zwar eingangs nicht erwähnt, aber eigentlich wollte ich 28 Tage durchziehen. Schließlich war ich jetzt mitten in meiner Ketose-Superkraft-Phase, mein Körper fühlte sich großartig an – warum also aufhören?
Nun ja… es gab da ein paar Kleinigkeiten:
Mein Körper hielt es offenbar für eine hervorragende Idee, weiterhin jeden Tag 300 g Gewicht zu verlieren – auch noch an Tag 21. Das war nicht mehr zu übersehen. Zudem machte mich die anhaltende Eiseskälte in meinem Körper langsam verrückt. Ich war es ja schon gewohnt, ständig kalte Finger und Füße zu haben, aber in den letzten Fastentagen fühlte ich mich, als hätte ich innerlich auf Dauerfrost umgestellt.
Und dann waren da noch die schlaflosen Nächte. Während ich tagsüber voller Energie war, lag ich nachts oft wach und sehnte mich nach einem tiefen, erholsamen Schlaf. Doch mein Körper hatte scheinbar beschlossen, auch nachts auf Hochtouren weiterzumachen – sehr effizient, aber nicht unbedingt nötig.
Trotz dieser Herausforderungen war die ständige Gewichtsabnahme letztlich der Hauptgrund für meine Entscheidung, das Fasten zu beenden. Da ich in 1,5 Wochen einen Fastenkurs leiten sollte, stellte ich mir die entscheidende Frage:
„Möchte ich meinen Teilnehmern als gesundes Vorbild begegnen – oder eher den Eindruck erwecken, als hätte ich mich versehentlich für einen Überlebenskurs auf einer einsamen Insel vorbereitet?“
Die Antwort lag auf der Hand:
Fasten hat etwas mit Loslassen zu tun., und am 21. Fastentag entschied ich, dass es Zeit war, vom Fasten loszulassen.
Die Aufbauwoche – Der erste Bissen und die Kunst des bewussten Essens (und was passiert, wenn man sich nicht daran hält)
Nach 21 Tagen Nahrungsenthaltung war es soweit: der erste Bissen stand bevor. Und obwohl ich mich darauf freute, war da auch eine gewisse Ehrfurcht. Mein Körper hatte sich drei Wochen lang mit einer Eleganz am Leben gehalten, die mich fast ein wenig stolz machte – und jetzt sollte ich ihn plötzlich wieder mit fester Nahrung konfrontieren? Ich fühlte mich wie jemand, der nach einer spirituellen Reise zurück in die laute, chaotische Welt des Essens katapultiert wird.
Fastenbrechen deluxe: Wenn ein Apfel zum Festmahl wird
Ich hatte mich für einen einfachen, aber perfekten Neustart entschieden: einen knackigen, saftigen Apfel. Keine Suppe, kein Brei – einfach nur die pure, frische Frucht – genau so, wie es Otto Buchinger seinerzeit für das Fastenbrechen empfahl.
Der Tisch war minimalistisch gedeckt: eine Kerze und ein Teller mit Serviette, dem Apfel und ein kleines scharfes Messer.
Bevor ich den ersten Bissen nahm, dankte ich dem Universum für die Kraft, die Zeit und die Möglichkeit, dieses Fastenexperiment zu durchlaufen. Ich nahm den Apfel in die Hand, fühlte seine glatte Oberfläche, roch an ihm – und dann war es soweit: Der erste feste Bissen nach drei Wochen.
Und was soll ich sagen? Ein Geschmackserlebnis der Extraklasse. Die Süße, die leichte Säure, der geschmackvolle Saft, der beim Kauen austrat – ich hätte schwören können, dass ich noch nie in meinem Leben etwas Köstlicheres gegessen hatte. Mein Gaumen hatte offenbar ein Upgrade erhalten, und plötzlich verstand ich, warum Sterneköche von „Geschmacksnuancen“ sprechen.
Aber ich wusste auch: Mein Körper war jetzt extrem empfindlich. Der Magen-Darm-Trakt musste sich erst wieder an feste Nahrung gewöhnen, die Enzyme mussten ihre Produktion hochfahren, und auch die Darmflora brauchte Zeit zur Anpassung. Der Körper musste ebenso sanft aus dem Fastenmodus herausgeführt werden, wie er hereinbegleitet wurde. Die Aufbautage waren mindestens so wichtig wie das Fasten selbst und mussten achtsam erfolgen.
Die ersten drei Tage fiel mir das Maßhalten nicht schwer. Ich hatte mir einen 7-Tage-Plan geschrieben und hielt mich konsequent daran. Die Portionen waren klein, und falls ich mal etwas zu viel zubereitet hatte, fand sich immer jemand, der „mal kosten“ wollte. Zu jeder Mahlzeit gab es erstmal brav einen Rohkostsalat. Die Enzyme darin halfen dem Körper, nicht direkt Vollgas zu geben und panisch nach Reserven zu suchen (die nach drei Wochen Fasten ohnehin eher Mangelware waren). Es war eine Disziplin, die ich mir in den letzten zehn Jahren hart erarbeitet hatte, teils durch schmerzhafte Erfahrungen.
Tag 4 – Wenn Liebe durch den Magen geht… und direkt in die Leber
Und dann kam Tag 4. Auf dem Plan stand ein Essen, das mich sofort in meine Kindheit katapultierte:
Pellkartoffeln mit Quark und etwas Leinöl – ein Klassiker meiner frühen Jahre, vollgepackt mit Nostalgie.
Dieses Gericht war nicht einfach nur Essen. Es war Kindheit auf einem Teller. Ich erinnerte mich an die Wochenenden auf unserem Dauercampingplatz, an unbeschwerte Sommer mit meinem Bruder und meinen Cousinen, an stundenlanges Baden und Tauchen im See, an den alten Kletterbaum, der übers Wasser ragte, an selbstgebaute Höhlen im Wald, Opas Witze, die er uns vor dem Schlafengehen erzählte – und eben diese Pellkartoffeln mit Quark – ein einfaches, aber leckeres Gericht, was Oma gerne kochte, um die viele Mäuler zu stopfen.
Und diese ganz unbewussten Erinnerungen machten mich unachtsam.
Da bei uns zu Hause seit 15 Jahren genauso viele Mäuler zu stopfen waren, gab es dieses Essen auch heute noch des Öfteren. So auch an meinem 4. Aufbautag. Es standen reichlich gekochte Kartoffeln auf dem Tisch, dazu 3 Schüsseln mit unterschiedlichen Quarksorten, alle mit frischen Kräutern zubereitet: Soja-Quark für meinen laktoseintoleranten Sohn, 40 %iger Quark für die anderen und salzloser Magerquark mit ordentlich viel Schabziger Klee für mich.
Ich denke, es waren zwei Kartoffeln zu viel. Anfangs fühlte ich mich einfach nur wohlig satt – dann merkte ich, dass ich eher „bis zum Kehlkopf vollgestopft“ war. Eine Stunde später meldete sich mein rechter Oberbauch mit einem unangenehmen Ziehen. Die Galle?
Mein Körper schien mir sanft, aber bestimmt mitzuteilen: „Hör mal, wir haben hier drei Wochen lang auf höchstem Niveau gearbeitet, und jetzt kommst du mit einem Campingplatz-Gelage?“
Ich hatte an diesem Tag bereits meinen Leberwickel gemacht, aber mein Bauch verlangte nach noch mehr Wärme. Also legte ich mich wieder hin, Leberwickel Nr. 2 des Tages, und hoffte, dass mein Verdauungssystem mir diesen kleinen Ausflug in die Sentimentalität verzeihen würde.
Am nächsten Morgen war das Völlegefühl verschwunden, aber ein latenter Schmerz im rechten Oberbauch blieb noch für einige Tage.
Tag 6 – Die Haut übernimmt das Entgiften
Gerade als ich dachte, ich hätte meinen Pellkartoffel-Exzess überwunden, meldete sich mein Körper mit einer neuen Überraschung. Am 6. Aufbautag wachte ich auf und stellte fest:
- Ich war übersät mit Bläschenausschlag.
- Er juckte.
- Er war überall – zumindest überall an Armen und Beinen.
Mein Verdacht: Durch meinen Pellkartoffel-Ausreißer hatte ich die Entgiftung über die inneren Organe vielleicht doch etwas zu abrupt gestoppt – und mein Körper hatte entschieden, dass er den Rest über die Haut loswerden würde. So wie ein Unternehmen, das sein Lager räumt: „Okay Leute, keine Lieferungen mehr nach innen, wir schicken alles über den Express-Versand raus!“
Der Ausschlag hielt sich hartnäckig und ist bis heute nicht ganz verschwunden. Eine schöne Erinnerung daran, beim nächsten Fastenbrechen keine Pellkartoffeln auf dem Plan zu haben.
Erkenntnisse aus der Aufbauwoche
Diese kleinen (oder eher großflächigen) Herausforderungen unterschieden sich definitiv von den Aufbautagen nach einem Kurzzeitfasten:
- Eine 7-tägige Aufbauzeit nach 3 Wochen Fasten erfordert mehr Disziplin als eine 3-tägige nach einem Kurzzeitfasten.
- Der Körper braucht tatsächlich länger für die Umstellung, und alte Muster sind eine tückische Falle.
- Die Entgiftungsprozesse laufen auch nach dem Fasten weiter – und der Körper sucht sich kreative Wege, um letzte „Altlasten“ loszuwerden.
- Mein Geist war weiterhin klar, aber ein wenig Energie ging für die Verdauungsarbeit drauf.
- Nach drei Wochen gefühlter Schlaflosigkeit schlief ich ab dem ersten Aufbautag endlich wieder tief und fest – wie ein Murmeltier.
Bewusstes Fasten erfordert auch bewusstes Fastenbrechen. Und wenn man sich daran nicht hält, bekommt man entweder eine klare Ansage vom Oberbauch oder eine juckende Erinnerung auf der Haut.
Vier Wochen später – Was ist geblieben?
Fast vier Wochen nach dem Fastenbrechen kann ich sagen: Meine Haut wirkt immer noch klar, ich fühle mich weiterhin entspannt und gut, aber ich bin kein anderer Mensch geworden. Ich weiß jetzt mit Gewissheit, dass ich längere Zeit ohne feste Nahrung auskommen kann – und das gibt mir eine seltsame Art von Sicherheit. Es ist beruhigend zu wissen, dass der Körper nicht so abhängig von ständigem Nachschub ist, wie es uns oft vermittelt wird.
Physisch hat sich ebenfalls einiges stabilisiert:
- Mein Körper scheint noch immer etwas über die Haut loswerden zu wollen, aber es wird besser. Der Ausschlag, der während der Aufbauphase aufgetreten ist, klingt langsam ab.
- Mein Gewicht liegt inzwischen nur noch 3 kg unter meinem Ausgangsgewicht. Mein BMI ist mit 19 wieder im Normalbereich – auch wenn ich den BMI normalerweise nicht als Maßstab für Unter-, Über- oder Normalgewicht verwende.
- Mein Oberbauch hat sich beruhigt. Die kleine Erinnerung an meinen Pellkartoffel-Exzess ist verschwunden.
Und mental? Meine Stimmung ist prima, das Leben fühlt sich leicht an. Wir leben in politisch herausfordernden Zeiten, doch ich bemerke eine größere Distanz zu diesem Spektakel. Es ist, als wäre die Trennung zwischen mir und dem äußeren Lärm noch größer geworden. Ich fühle noch immer tiefe innere Ruhe und Frieden.
Außerdem ist mir geblieben, was sich schon während des Fastens angedeutet hat:
- Ich bin fokussierter. Mein Geist schweift weniger ab, ich arbeite strukturierter.
- Ich bin energiegeladen. Keine Tagestiefs, kein Verlangen nach Koffein und die ToDo-Listen sind zu schaffen – mein Körper scheint seinen neuen Rhythmus gefunden zu haben.
Fazit – Würde ich es wieder tun?
Nach 21 Tagen Fasten und einer intensiven Aufbauphase bleibt die große Frage: Hat sich das Langzeitfasten gelohnt? Und vielleicht noch wichtiger: Würde ich es wieder tun?
1. Die mentale Erfahrung – Erleuchtung oder einfach nur Alltag?
Viele haben mich gefragt: „Hast du mental einen Unterschied zum Kurzzeitfasten gemerkt? Warst du euphorischer?“
Die ehrliche Antwort: Nein. Ich fühlte mich zwar klar im Kopf und aufgeräumt, aber das große spirituelle Erwachen blieb aus. Vielleicht liegt es daran, dass ich mitten im Familienalltag gefastet habe. Und Alltag bedeutet in meinem Fall: sechs Menschen, drei Katzen, 18 Hühner und berufliche Selbständigkeit.
So sehr ich mich auch bemühte, mich zurückzuziehen – irgendwas war immer. Und während andere vielleicht ekstatische Glückszustände erleben, wenn sie sich beim Fasten in eine Hütte im Wald zurückziehen, war meine Realität eher: „Mama, warum hat Maggie [unsere Katze] schon wieder in meinen Schuh gekotzt?“ oder „Mama, hast du meinen Lieblingshoodie schon gewaschen? Ich brauche den un-be-dingt!“
Und das sind einfach nicht die Art von Fragen, die zur Erleuchtung führen.
2. Das Härteste an dieser Fastenkur? Die Kälte!
Was wirklich herausfordernd war? Die ständige Kälte.
Warum ich es trotzdem ausgerechnet im Februar gemacht habe? Ganz einfach: Frieren ist nichts im Vergleich zu einem Garten voller reifer Tomaten, die ich nicht essen dürfte.
Die christliche Fastenzeit liegt nicht umsonst in dieser kargen Jahreszeit – wenn es draußen weder eine reiche Ernte gibt noch allzu viele Versuchungen lauern. Ich hätte es nicht ertragen, meine eigenen Radieschen, Zucchini und Beeren dabei zu beobachten, wie sie mich praktisch anbettelten, sie zu ernten – nur um ihnen sagen zu müssen: „Sorry, Jungs, ich faste noch.“ Also fror ich lieber tapfer mit Wärmflasche und dicken Wollsocken, als mir den Sommer selbst zu verderben.
3. Würde ich es wieder machen?
Ja – aber nicht gleich morgen.
- Frühestens in einem Jahr, wenn sich mein Gewicht wieder stabilisiert hat.
- Und nur noch therapeutisch – also wenn ich es wirklich für meine Gesundheit brauche.
Denn so faszinierend und bereichernd diese Erfahrung war: Fasten ist kein Freizeitspaß. Es ist ein starker Reiz für den Körper, und dieser Reiz sollte gut dosiert sein. Dieses Jahr werde ich also nicht mehr fasten – mein Körper hat sich eine Fastenpause verdien
Mein abschließender Gedanke
Langzeitfasten ist kein Selbstläufer, aber es lohnt sich – wenn Zeitpunkt, Anlass und persönliche Verfassung stimmen. Ich habe viel gelernt, mich körperlich und mental herausgefordert und weiß jetzt noch besser, was mein Körper kann.
Bereit für deine eigene Fastenerfahrung?
Wenn du selbst eine Fastenkur machen möchtest und dir Begleitung wünschst, schau dir gerne unsere Fastenangebote an. Egal ob Kurzzeit- oder Langzeitfasten – ich begleite dich mit Fachwissen, Erfahrung und einem offenen Ohr für alle Fragen.
